Bericht/Report! Crrrrrrrritic! #7: «Fördern fordern»

Crrrrrrrritic! #7

«Fördern fordern»

Mit Daniela Janser, Kulturredakteurin WOZ, Jan Jirat, Inlandredakteur WOZ und ProWOZ Förderverein, und Chrisopher Eads, Nordic International Support Foundation

Bericht/Report

Am Ende haben wir nicht einmal mehr die Redaktionsräume besichtigt. Eigentlich gehört es zum Konzept von Crritic! #7 bis #10, dass wir als meist frei Schreibende Einblick erhalten in den Arbeitsalltag unserer AuftraggeberInnen. Doch waren wohl die Fragen – zum Beispiel: Könnte ein Finanzierungsfonds für Kunstkritik nach dem Vorbild des ProWOZ-Recherchierfonds Sinn machen? – zu drängend, und wir sind sogleich im grossen Sitzungszimmer der Wochenzeitung in die Diskussion eingestiegen. 

Aus der Einführung der Kulturredakteurin Daniela Janser zur Wochenzeitung wurde ersichtlich, dass die WOZ aktuell – trotz oder gerade wegen tendenziell kriselnder anderer Printmedien – LeserInnen gewinnt, dass pro Ressort rund zwei freie Schreibende ein Fixum geniessen (eine garantierte Textmenge und entsprechendes Honorar pro Monat – mittlerweile eine Seltenheit), und dass Janser die Kunstkritik in der WOZ tendenziell noch ausbauen möchte.

Jan Jirat, Inlandredaktor und eines der drei Bindeglieder zwischen der WOZ-Redaktion und dem ProWOZ Förderverein, gab uns wertvolle Einblicke in die Mechanismen hinter dem ProWOZ-Recherchierfonds. 1984 gegründet, um die damals finanziell prekär dastehende Wochenzeitung zu retten, ist der ProWOZ Förderverein heute weniger Überlebenshilfe, sondern vielmehr Unterstützung in spezifischen Bereichen. 1985 wurde etwa der Recherchierfonds gegründet: Redakteurinnen und Redakteuren der Wochenzeitung können dem ProWOZ-Komitee Ideen für Artikel vorlegen, die einen Recherchieraufwand voraussetzen, der das Honorarbudget der einzelnen Ressorts übersteigt. Autorinnen und Autoren müssen nicht zwingend aus der Redaktion stammen. Ein gängiges Modell ist etwa, dass eine freie Autorin zum Beispiel zwei Wochen Recherchezeit finanziert bekommt (Das Tageshonorar beläuft sich auf ca. 250 CHF), dann allerdings bei der Veröffentlichung in der Zeitung kein Texthonorar mehr ausbezahlt wird. 

In den Workshops Crritic #1 bis #6 haben wir immer wieder das Potenzial – und die Problematik – eines Fonds für Kunstkritikerinnen und -kritiker als konkrete Massnahme zur Verbesserung der Situation der Schreibenden – und der Qualität der zu lesenden Texte – diskutiert. Gemäss Daniela Janser und Jan Jirat wird der ProWOZ-Fonds nur wenig im Bereich Kunstkritik angezapft. Eine Ausstellungsbesprechung etwa wird durch das Textbudget des Ressorts Kultur gedeckt. Wo die beiden Potenzial für einen Kunstkritik-Fonds nach dem ProWOZ-Vorbild sehen, ist in der Erarbeitung von tiefergehenden Recherchen, zum Beispiel im Bereich von eingehenden Analysen des Kunstbetriebs, die heute kaum eine Zeitung finanzieren will. Schwierig zu beantworten ist die Frage, ob ein Fonds auch unabhängig von einem bestimmten Medium funktionieren könnte. Bei den von ProWOZ finanzierten Texten ist im Vornherein klar, dass sie in der WOZ ihren Platz finden werden. Was allerdings auch bedeutet, dass die politische Ausrichtung des Textes zu einem gewissen Teil vorgegeben ist. Offen ist vor allem, wie ein Komitee nach Vorbild des ProWOZ-Gremiums aussehen könnte, wenn gleichzeitig keine Anbindung an eine bestimmte Zeitung gegeben ist. Und wie könnte die Publikation der von einem Kunstkritik-Fonds finanzierten Texte sichergestellt werden, bzw. wie könnte ein Netzwerk von Partnerpublikationen relativ kurzfristig und doch nachhaltig aufgebaut werden? Nicht zuletzt aus diesem Grund haben wir Crritic #7 bis #10 in Redaktionen geplant...

Our guest from Norway, Christopher Eads spoke from an economist’s perspective, also benefitting from his previous experience working at The Economist magazine. While journalism and publishing standards plummet, The Economist operates an alternative model which includes The Economist Intelligence Unit; the publication is valued – and by extension its brand – for the quality and nuance of its research and journalism. There is an assumption that reading The Economist (like writing on art) will improve the reader! With the clarity of an outsider looking in, Eads challenged what exactly the mission of Crritic! is. Critical writing about art, and the arts, is inherently different to economic reporting, as a subjective exercise. It also seems as if the art system only values positive feedback from criticism. Do we only write for an informed, insular audience? Why are certain events popular, or of interest, and others not? What effort do we make to give readers access, but, equally, what effort should the reader be required to make?

To make art criticism sustainable again most likely requires broadening its audience, or, if not, convincing a critical mass of supporters to invest. Strategies for writing and publishing that follow the course of most other publications are likely to fail – a fundamentally different trajectory must be plotted. How can we convince readers of the importance of analysis, infect them with enthusiasm for subjective – but open – critical perspectives? How can we be independent of the art world while still part of it? 

Aoife Rosenmeyer & Daniel Morgenthaler